Fazit

Anders als in den USA, war es hochqualifizierten Osteopathen wie Littlejohn in England oder Gény in Frankreich untersagt, Chirurgie und Geburtshilfe auszuüben, bzw. Medikamente zu verschreiben. Dies führte zwangsweise zu einer inhaltlichen Spaltung der Osteopathie: Während sich die nicht-ärztlichen Osteopathen Europas zwangsläufig auf manuelle Techniken konzentrieren und diese immer weiter perfektionierten, trieben die Osteopathie in Amerika die breitflächige wissenschaftliche Forschung und insbesondere die Verfeinerung chirurgischer Methoden immer weiter voran. Finden sich die Wurzeln der viszeralen Techniken in Europa (Barral und Weisschenk), so gehen minimalinvasive und gewebeschonende chirurgische Techniken, sowie bedeutende neurophysiologische Forschungsergebnisse auf amerikanische Initiativen zurück (Korr, Denslow). Stills traditionell ganzheitliche Osteopathie mit dem Kernkonzept des triune man stellt hingegen eine Symbiose dieser beiden Anteile dar.

Noch komplizierter wurden die Verhältnisse, als europäische Ärzte die Osteopathie mit manualtherapeutischen und chiropraktischen Elementen frei vermischten und in ihrer Komplexität beschnitten, um sie alltagstauglicher zu machen. Der Osteopath als Vermittler wurde durch einen eindimensional lokal arbeitenden Manipulierer ersetzt, um die alte Hierarchie mit dem Behandler als „Macher“ wieder herzustellen.

All dies hat dazu geführt, dass die Osteopathie aufgrund des historischen Streits zwischen Ärzten und Nicht-Ärzten zum Spielball der Interessen geworden ist. Eine Versöhnung mag zum gegenwärtigen Zeitpunkt utopisch, dennoch ist sie der einzige Weg und die wichtigste Herausforderung für alle Beteiligten das gesamte Potential der Osteopathie wieder zu erschließen - zum Wohle der Patienten.

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20.01.2017 - 02:34 - www.osteokompass.de/de-wissenswertes-geschichte-fazit.html

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